Böhmisches Dorf

Böhmisches Dorf Neukölln-Friedrich-Wilhelm I

Neukölln, Friedrich-Wilhelm I, R.Linzke

Nach der Schlacht am Weißen Berg von 1620 kam es in Böhmen zu einer Rekatholisierung, die dazu führte, dass in den folgenden Jahrzehnten immer mehr Protestanten das Land verließen.
So entstand 1722 auf dem Sitz von Nikolaus Ludwig von Zinzendorf in Herrnhut (sorbisch: Ochranow) in der Oberlausitz die Gemeinde Ochranov, etwas später eine andere in der Nähe von Potsdam (Nova Ves, heute Potsdam-Babelsberg). Ab 1737 siedelten sich die Flüchtlinge auf Anregung und Einladung von Friedrich Wilhelm I. auch auf dem Gebiet von Rixdorf an, wo sich bereits seit 1360 die Gemeinde Richardsdorp befand. Die Gemeinde wurde in Deutsch-Rixdorf und Böhmisch-Rixdorf geteilt, und erhielten ihre eigene Verwaltung.

Im Jahre 1805 hatte Böhmisch-Rixdorf 319 und Deutsch-Rixdorf 376 Einwohner.
Am 28. April 1849 erfasste ein Feuersturm beide Dörfer, bei dem von den damals 135 Häusern Deutsch-Rixdorfs und den 56 Häusern Böhmisch-Rixdorfs insgesamt 52 Häuser niederbrannten.
Der Wiederaufbau war 1853 abgeschlossen, dabei wurde allerdings die ursprüngliche Architektur nicht immer erhalten. Eine Ausnahme ist das Gebäude Richardstraße 80 (heute Sitz der Deutschen Comenius-Gesellschaft e.V.). Das Haus in der Haus Kirchgasse 5 gehört zu den am besten erhaltenen historischen Gebäuden von Böhmisch-Rixdorf.  Eingeweiht wurde es am 14. November 1753 als eine Schule; hier lief der Unterricht bis 1909. Am Giebel sieht man deutlich einen Kelch, der verdeutlichen soll, dass sich zwischen 1754 und 1761 hier der erste Gebetssaal der Brüdergemeine befand. In zwei Räumen befindet sich heute ein kleines Museum. Es ist zugleich das älteste erhaltene Schulgebäude des Bezirks Neukölln.
In den Folgejahren setzte ein deutliches Bevölkerungswachstum ein; im Jahre 1858 hatte Böhmisch-Rixdorf bereits 1014 und Deutsch-Rixdorf 2823 Einwohner. Im Jahre 1874 erfolgte die Wiedervereinigung Rixdorfs, 1899 erhielt Rixdorf das Stadtrecht, 1912 erfolgte die Umbenennung in Neukölln und acht Jahre später im Jahre 1920 wurde der Stadtkreis Neukölln zusammen mit den Nachbargemeinden Britz, Buckow und Rudow im Rahmen des Groß-Berlin-Gesetzes als 14. Verwaltungsbezirk (Neukölln) nach Groß-Berlin eingemeindet.
Das gesamte Ensemble der Gebäude des früheren Böhmisch-Rixdorf steht heute als Böhmisches Dorf unter Denkmalschutz und gilt als bedeutendes Kulturdenkmal.

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